Tierarzt testet Bedingungen in geparktem Auto

Hunde sollten im Sommer nicht im Auto allein gelassen werden. Wie heiss es in einem geparkten Vehikel trotz geöffneten Fenstern tatsächlich wird, testet der amerikanische Tierarzt Ernie Ward am eigenen Körper und lässt die Internet-Community an dieser für ihn augenöffnenden Erfahrung teilhaben.

An einem typischen Sommertag setzt sich der Tierarzt mit einem Thermometer ausgerüstet auf den Vordersitz eines geparkten Autos.  Ward erwähnt am Anfang des Videos, dass alle Fenster ein paar Zentimeter weit geöffnet sind. Zu Beginn seines Selbstversuchs hat es im Auto etwa 94 Grad Fahrenheit, was in etwa 35° Celsius entspricht. Nach fünf Minuten hat es im Auto fast 100 Grad Fahrenheit bzw. nahezu 37° Celsius. Nach zehn Minuten bezeichnet Ward die Bedingungen im Auto als fast unerträglich, es hat mittlerweile an die 41° Celsius. Er spricht darüber, wie frustrierend es ist, draussen die Brise durch die Palmen wehen zu sehen und dass die innere Körpertemperatur eines Hundes mittlerweile bedrohlich hoch sein müsste. Nach 15 Minuten hat es im Auto bereits 43° Celsius und Ward vermutet, dass kleinere oder ältere Hunde mittlerweile in arger gesundheitlicher Bedrängnis wären. Nach 20 Minuten schwankt das Thermometer zwischen 43 und 45° Celsius. Nach 25 Minuten hat es 45° Celsius und Ward beschreibt, dass aus dem Auto zu wollen sein einziger Gedanke ist. In der Tat ist er vollkommen schweißgebadet, seine hellblauen Scrubs sind großflächig dunkel verfärbt. Ward weist darauf hin, dass Hunde nicht wie wir schwitzen können und ihnen somit eine wertvolle Abkühlungsmöglichkeit fehlt.

Wards Motivation zu diesem Selbstversuch lag darin, herauszufinden, wie es sich anfühlt, im Auto warten zu müssen. Er beschreibt, wie beklemmt, gefangen, hilf- und machtlos er sich fühlt. Nach 30 Minuten hat es 47° Grad Celsius im Auto. Ward weist darauf hin, dass er sich der Situation und vor allem ihres Endes bewusst ist, und wie wehrlos sich Hunde im Vergleich wohl fühlen müssen. Während es ihm als Tierarzt ohnehin schon bewusst war, wie gesundheitsschädigend es für Hunde sein kann, im Sommer im geparkten Auto warten zu müssen, bezeichnet er die Erfahrung als wahren Augenöffner.

Hunde können im Gegensatz zu uns Hitze nicht durch Schwitzen, sondern nur durch den Mundraum und Hecheln ausgleichen. So kommt es dazu, dass sie bei hohen Temperaturen bis zu 300 Mal in der Minute atmen. Lässt man den Hund im Auto muss es auch gar keine 35° Starttemperatur wie im amerikanischen Süden bei Wards Selbstversuch haben, schon durchaus realistische 20° Celsius sind ausreichend dafür, dass ein Hund im Auto lebensbedrohliche Zustände durchleidet.

Wer im Sommer schon mal den heißen Atem eines Hundes auf seiner bloßen Haut gespürt hat, kann sich vorstellen, wie viel Hitze der Hund beim Warten also ins Auto atmet – und dass dadurch die Temperaturen noch schneller steigen als wenn ein schwitzender Mensch darin sitzt. Durch die steigende Innentemperatur im Auto steigt die innere Körpertemperatur des Hundes weiter – ab 42-43° kann dies zu Organschäden führen.

Wenn es einmal wirklich nicht anders geht und man den Hund tatsächlich im Auto lassen muss, sollte man im Schatten parken, jedenfalls alle Fenster so weit wie möglich öffnen, den Zeitraum möglichst kurz halten und dem Hund unmittelbar danach ausreichend zu trinken geben – prinzipiell ist davon allerdings einfach abzuraten!

Tierarzt-testet-Bedingungen-in-geparktem-Auto-1Sieht man einen Hund in Not, sollte man zuerst die Polizei verständigen, da man sich durch Aufbrechen des Autos oder Einschlagen eines Fensters strafbar machen kann. Wurde das Tier befreit, sollte es so schnell wie möglich veterinärmedizinisch versorgt werden. Helfen kann unter Umständen die Wiener Tierrettung, die unter 01/699 24 80 erreichbar ist.

Die links abgebildete Info-Karte von Tasso e.V. verlinkt per Klick zu deren Aktion “Hund im Backofen.” Dort könnt ihr solche Karten in verschiedensten Sprachen anfordern und verteilen, damit sich mehr Hundehalter informieren und künftig entsprechend umsichtig handeln können.