Neue Erkenntnisse über Trennungsangst bei Hunden

Der britische Verhaltenstierarzt Prof. Daniel Mills hielt am 28. Jänner einen Vortrag über Trennungsangst an der Universität Wien. Im Rahmen der Vortragsserie der Forschungsgruppe Mensch-Tier-Beziehung sprach die englische Koryphäe über diagnostische Unterschiede in verschiedenen Ländern. Mills thematisierte Trennungsangst als eines der aktuellsten Probleme im Zusammenleben mit Hunden und dass eine effektive Therapie unmittelbar abhängig von korrekten Diagnosen ist.Heutzutage werden Hunde vorrangig darauf selektiert, uns gute Begleiter zu sein. Wenig verwunderlich ist es daher, dass viele Hunde gehörigen Stress empfinden, wenn sie alleine gelassen werden. Egal, ob es in Abwesenheit des Besitzers zum Lösen, Bellen, Jaulen, Zerkratzen von Türen, Zerstören von Gegenständen und Lagern kommt, dieses Problem wird meist als Trennungsangst bezeichnet. Interessanterweise variieren die Definitionen von Trennungsangst in verschiedenen Ländern, was einen einheitlichen Vergleich der Therapiemöglichkeiten schwierig gestaltete. Im Rahmen seines Vortrags wies Prof. Mills mehrmals darauf hin, dass die medikamentöse und/oder Verhaltens-Therapie von Trennungsangst im allgemeinen nur zu etwa 80 Prozent erfolgreich ist. Der Grund dafür liegt darin, dass die verbreiteten Behandlungsmethoden meist komplex, unspezifisch und schwierig umzusetzen sind.

Deshalb ist es wichtig, den biologischen Ursachen der Trennungsangst auf den Grund zu gehen. Denn ob ein Hund beispielsweise die Wohnung zerstört, weil er wegen eines Gewitters plötzlich Angst empfindet und fliehen möchte ist etwas ganz anderes, als ein Hund, der vor Panik alleine gelassen zu werden, die Türe zerbeisst, um ZU seiner Bezugsperson zu gelangen. Zwar wollen beide ihren Aufenthaltsort gleichermaßen dringlich und destruktiv verlassen, die zugrunde liegende Motivation ist aber eine ganz andere.

Je nachdem, welche Emotion den auftretenden Trennungsangst-Symptomen zu Grunde liegt, sind andere Schaltkreise im Gehirn involviert. Diese neurobiologischen Differenzen machen einen großen Unterschied, wie diese Trennungsangst in Folge zu therapieren ist. Mills entwickelte zum einen eine Methode, die dabei hilft, die zugrunde liegenden Emotionen zu differenzieren. So können Behandlungsprogramme vereinfacht und zielgerichtet eingesetzt werden.

Im Rahmen seines Vortrages zeigte Mills einen kurzen Videoclip, in dem ein auf seine Menschen wartender Rottweilermischling mit Wärmebildkamera gefilmt wurde. Man sah deutlich, dass in der Abwesenheit seiner Menschen das rechte Ohr wesentlich heißer war, als das linke. Mills erklärte, dass es einen Zusammenhang zwischen Ohrentemperatur und aktiven Gehirnarealen gäbe. So würden in der rechten Gehirnhälfte eher “negative” Emotionen verarbeitet, während das linke Ohr wärmer würde, wenn der Hund sich freue. In der Tat, als seine Menschen nach Hause zurückkehrten, wurde das linke Ohr sichtbar heißer als das rechte.

Willst du dir selbst ein Bild davon machen und mehr über Trennungsangst erfahren? Dann empfehle ich dir, die ganze Doku “Dogs: Their Secret Lives” anzusehen: Klick für Stream (leider nur auf Englisch).

Mit Prof. Mills’ weisen abschließenden Worten “If you think you know everything, stop what you are doing. Because you’re a danger.” verabschiede ich mich nun ins Wochenende.

Habt es fein!