Hund-Hund-Aggression im gemeinsamen Haushalt

Eine Studie aus Amerika liefert interessante Einblicke in die Ursachen für und Lösungsmöglichkeiten von aggressiven Auseinandersetzungen unter Hunden, die gemeinsam in einem Haushalt leben. Die wichtigsten Ergebnisse und praktische Lösungsansätze habe ich für euch zusammengefasst.

Die ForscherInnen Kathryn Wrubel, Alice Moon-Fanelli, Louise Maranda und Nicholas Dodman analysierten 38 Hundepaare, die in der Verhaltensklinik der Tufts University vorstellig wurden und analysierten sowohl die Charakteristika der involvierten Hunde sowie verschiedene Strategien zur Lösung des Problems.

Weibchen scheinen aggressions-bereiter

So neigten 68% der weiblichen, aber nur 32% der männlichen Hunde dazu, in Konfliktsituationen mit Aggression zu reagieren. In 70% der Fälle ging die Aggression von dem Hund aus, der am kürzesten in den Haushalt integriert ist, in 74% der Fälle startete der jüngste Hund eine Rangelei. 50% der Fälle mussten veterinärmedizinisch behandelt werden, in 10 % der Fälle mussten auch die Menschen medizinische Hilfe beanspruchen, nachdem sie die Hunde getrennt hatten.

Die häufigsten Ursachen für aggressive Konflikte zwischen Hunden waren die Bevorzugung eines bestimmten Hundes durch BesitzerInnen (46%), generelle Aufregung unter den Hunden (31%), Futter (46%) sowie Gegenstände oder Spielzeug (26%).

Unter den Hundepaaren, in denen sich aggressive Zwischenfälle zutrugen, hat in 41% der Fälle einer der beiden Hunde bereits in mehreren Haushalten gelebt. War einer der beiden Hunde bei der Adoption älter als 12 Wochen, lag die Konfliktrate bei 39%, bei Tierheimhunden bei 33% und bei Hunden aus Tierhandlungen bei 16%.

Hund-Hund-Aggression selten das einzige Problem

Darüber zeigten die Hunde auch in anderen Situationen aggressive Verhaltensweisen: 40% zeigten Aggression gegenüber anderen Artgenossen, 27% gegenüber im Haushalt lebenden Personen, 27% gegenüber fremden Menschen und 20% sogar gegenüber der Bezugsperson. Aggressives Verhalten scheint jedoch nicht das einzige Problem der analysierten 38 Hundepaare zu sein. So gab es in 50% der Hundepaare mindestens einen Hund mit Trennungsangst, 30% zeigten Phobien, Ängstlichkeit und andere Formen von Beunruhigung.

Erfolgreiche Maßnahmen

Die gute Nachricht: Aggressives Verhalten unter Artgenossen lässt sich durch Verhaltensmodifikation gut behandeln. So bewirkte das Einfordern eines Verhaltens wie Sitz, Platz oder Komm bevor die Hunde Ressourcen erhielten in 89% der Fälle eine Besserung. Auch die Unterstützung eines der beiden Hunde (so dass dieser alle Ressourcen zuerst erhält) half in 67% der Fälle. Die Forscher führen die Erfolgsquote darauf zurück, dass die Hunde sich kontrollierter verhalten müssen, was einiges an Aufregung eliminiert (was ja statistisch fast ein Drittel der Konflikte ausmachte) und die bessere Vorhersehbarkeit der verschiedenen Situationen aufgrund der Etablierung einer klaren Reihenfolge. So können die Hunde lernen, dass jeder ohne Notwendigkeit eines weiteren Konflikts bekommt, was er möchte.

Besonders wichtig ist hervorzuheben, dass das Geschlecht der Hunde sowohl die Wahrscheinlichkeit der Auseinandersetzungen als auch die Wahrscheinlichkeit der Problemlösung beeinflusst: In Rüden-Paaren konnten Konflikte um 72% reduziert werden, in Rüden-Weibchen-Paaren um 75% und unter Weibchen immerhin um 57%.

Wichtig: Wenn es in deinem Haushalt zu aggressiven Zwischenfällen zwischen deinen Hunden kommt, solltest du zu deinem eigenen und zum Schutz deiner Hunde dringend fachkundige Hilfe beanspruchen! Die Studie zeigt dass unter entsprechender Anleitung in fast drei Viertel der Fälle erhebliche Besserungen erzielt werden konnten.

Quelle: Psychology Today

Und hier gibt’s die ganze Studie nachzulesen: Interdog household aggression