Silvesterangst des Hundes bekämpfen

In Riesenschritten naht das Jahresende und damit auch die Knallerei, die viele Hunde in regelrechte Panik, auch genannt Silvesterangst, verfallen lässt. Der aktuelle Blogartikel zeigt euch einige Möglichkeiten, wie ihr die Geräuschphobie eurer Hunde noch in den Griff bekommen könnt, bevor’s zu Silvester so richtig laut wird.

In etwa sechs Wochen geht es los mit dem Silvester-Lärm in der Stadt. Genug Zeit, um noch einige Maßnahmen zu setzen, um eurem Wuff dabei zu helfen, seine Angst in den Griff zu bekommen. Bei wirklich panischen Hunden empfiehlt es sich übrigens, gezieltes Training bereits im Sommer zu starten. Hunden mit moderater Silvesterangst könnt ihr jedoch mit folgenden Tipps ganz gut durch den Jahreswechsel helfen.

Gegenkonditionierung/ Desensibilisierung

CDs mit Feuerwerksgeräuschen oder Feuerwerks-Videos auf Youtube können dem Hund evtl. helfen, weniger sensibel auf den Knaller-Lärm zu reagieren. Da reales Feuerwerk aber auch mit bestimmten Gerüchen und unvorhersehbarem Menschengeschrei einhergeht, kann man mit Geräusch-CDs nur bedingt zuarbeiten. Deshalb empfiehlt es sich, in der Knall-Zeit stets eine Schüssel mit Leckerbissen für den Wauz parat zu haben. Ertönt draußen ein Geräusch, sollte sofort ein Keks zum Hund geworfen oder ihm gefüttert werden. So bedient man sich der operanten Konditionierung, auf der auch das Clicker-Training basiert: Man koppelt ein Geräusch mit etwas Positivem.

Silvester Kekse von Phillys Keksmanufaktur

Silvester Kekse von Phillys Keksmanufaktur

Dadurch ändert sich die emotionale Grundhaltung des Hundes zum beängstigenden Geräusch, denn nach ausreichenden Wiederholungen in möglichst stressfreiem Umfeld (= Zuhause) verknüpft der Hund, dass auf Silvester-Lärm Guttis folgen. Besonders empfehlenswert sind die Bachblütenkekse Silvester/Gewitter von Phillys Keksmanufaktur, die unserer Mia zu Silvester in den letzten Jahren ganz großartig mit ihrer Geräuschangst halfen. Zusätzlich kannst du natürlich auch beruhigend mit deinem Hund sprechen und evtl. sogar ein konditioniertes Entspannungssignal einsetzen.

Wenn der Hund drinnen kaum bis gar nicht auf das Geräusch mit Bell- oder Angstverhalten reagiert, umso besser: So kann man schneller zum nächsten Schritt voranschreiten, nämlich auch draußen Leckerlis auf Knallgetöse folgen zu lassen. Hierbei ist ganz wichtig: Wenn der Hund draußen die Leckerlis verweigert, ist sein Stress- bzw. Angstlevel wahrscheinlich zu hoch. In diesem Fall kannst du weitere Tipps ausprobieren und auf natürliche, unterstützende Futterergänzungsmittel, Körperbandagen, das Thundershirt oder dergleichen zurückgreifen (siehe weiter unten im Text).

Sicherer Rückzugsort

Gute Erfolge haben meine zwei- und vierbeinigen KlientInnen auch damit, ihrem Hund in der Knall-Zeit einen besonders sicheren Rückzugsort zu bieten. Dies kann das fensterlose Badezimmer sein, in das die Geräusche am wenigsten durchdringen, mit Decken eine „Höhle“ unterm Schreibtisch zu bauen oder die Box, in der sich dein Hund wohlfühlt. Zieht sich dein Hund zurück, kannst du ihm zB einen gefüllten Kong zum Schlecken oder einen Kauartikel anbieten, damit ihm das Runterfahren leichter fällt.

Wattebauschen für AnfängerInnen

Eine weitere Möglichkeit, deinem Hund mit Silvester-Angst zu helfen ist, ihn an „Ohrstöpsel“  aus Wattebäuschen zu gewöhnen. Du beginnst genauso, als würdest du deinem Hund zum ersten Mal beibringen wollen, sich die Ohren kontrollieren und reinigen zu lassen. Ruf ihn zu dir, lass ihn entspannt bei dir abliegen, streichle ihn und arbeite dich langsam und gelassen zum Ohren Streicheln vor. Nun hebst du das Ohr an und berührst es sanft mit einem Wattebausch und fütterst gleich daraufhin ein Leckerli. Dies wiederholst du ca. zehn Mal, bis du den Wattebausch das erste Mal lose im Ohr lasst und dann mehrere Kekse hintereinander fütterst. Wattebausch raus, Ende der Kekse – wenn dein Hund sehr geduldig ist, kannst du nun die gleiche Übung beim anderen Ohr wiederholen, ansonsten macht ihr eine halbe Stunde Pause und versucht dann das andere Ohr. Dieses Spiel wiederholt ihr einige Tage lang und dehnt dabei langsam den Zeitraum von Watte im Ohr auf ein paar Sekunden aus, steigert dann nach einer Woche auf Watte in beiden Ohren mit kurzer Dauer usw. Dein Hund sollte sich dabei weder schütteln noch am Ohr kratzen, sondern ganz langsam lernen, mit dem neuen Reiz etwas Angenehmes zu verbinden. Sobald dein Hund ein paar Sekunden ruhig die Watte in beiden Ohren toleriert, solltet ihr daran arbeiten, dass er dir auf Handzeichen hin folgt. Bestätige ihn dabei mit Leckerchen dafür, in Bewegung zu sein und sich zu dir zu orientieren. Sind Zuhause ein paar Minuten mit Watte im Ohr kein Problem mehr für deinen Hund, könnt ihr das Gassigehen mit „Ohrstöpsel“ üben. Auch draußen solltest du den Hund anfangs viel für Reagieren auf Handzeichen und in Bewegung sein bestätigen.

Die Watte kann Geräusche draußen ein wenig dämpfen, so dass es dem Hund womöglich leichter fällt, noch Kekse zu nehmen und die Gegenkonditionierung somit besser klappt. Merkst du jedoch, dass sich dein Hund mit der Watte unwohl fühlt, geh bitte unbedingt einen anderen Trainingsweg oder arbeite weiter an der Gewöhnung an die „Ohrstöpsel“ in einfacheren Verhältnissen!

Durch besseres Körpergefühl mehr in sich ruhen

Oft können wir unserem Hund auch ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, indem wir seine Aufmerksamkeit mehr auf seinen eigenen Körper zurücklenken. Dies kann zum Beispiel durch Körperbandagen aus der Tellington-Arbeit, das Thundershirt oder ein Kinder-T-Shirt erreicht werden. Auch hier ist wichtig, deinen Hund langsam an das neue Körpergefühl zu gewöhnen und bei Anzeichen von gesteigerter Unsicherheit evtl. einen anderen Weg in Erwägung zu ziehen oder erst mit hochwertiger Belohnung gegenzukonditionieren.

Das Thundershirt kann zum Beispiel auch draußen unterm Geschirr getragen werden, ich habe damit schon bei einigen Angsthunden mit verschiedenen Problemen sehr gute Erfolge durch bessere Ansprechbarkeit erzielen können. In Österreich sind die tollen Shirts hier erhältlich.

Unterstützende Präparate

Natürlich gibt es auch verschiedene Futterergänzungsmittel und sogar Medikamente, die Hunden mit (Geräusch-)Angst verabreicht werden können. Einen tollen Überblick über die gängigsten natürlichen Mittel gegen verschiedenste Ängste und deren Wirkungsweise findest du hier. Viele Hunde sprechen zum Beispiel sehr gut auf Bachblüten in Tropfen- oder Keksform an. Dies ist eine sehr nicht-invasive Art, das Fellkind in der Silvesterzeit zu unterstützen. Psychopharmaka solltest du deinem Hund nur in letzter Instanz sowie jedenfalls nach Absprache mit dem Tierarzt verabreichen und dabei unbedingt genau auf seine Körpersprache und sein Verhalten achten.

Raus aus der Stadt

Wer mit seinem ängstlichen Vierbeiner in Wien wohnt, kennt die Silvester-Routine schon: Spätestens zwischen acht und zehn die letzte Runde drehen und danach absolutes Schonprogramm fahren. Habt ihr bis zum 31. fleißig trainiert und auch schon gute Erfolge durch verringertes Angstverhalten erzielt, so kann ich euch nur empfehlen, Silvester selbst möglichst nicht in der Stadt zu verbringen – oder während der Hauptknallzeit extra viele Kekse parat zu haben. Immerhin wollt ihr ja nicht, dass der bisherige Trainingserfolg durch die mögliche Reizüberflutung der Mitternachtseinlage zunichte gemacht wird.

Viel Erfolg beim Silvestertraining in den kommenden Wochen – und bitte berichtet, wie’s gelaufen ist!

 

PS: Am Coverfoto modelt die Galgo-Hündin Bobby meiner liebsten Trainer-Kollegin von nebenan  (und Diggas beste Freundin) ein Thundershirt in pink.