Die ersten Erfahrungen als Hundetrainerin

Meine ersten Erfahrungen als Hundetrainerin

Oft fragen mich KollegInnen danach, wie meine ersten Erfahrungen als Hundetrainerin so waren. Im Folgenden teile ich einige meiner ersten Eindrücke und Erkenntnisse.

Wie ich es mir vorstellte

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Ein toller Job voller Lebensfreude!

Den Sonnenschein genießen, den Wind in den Haaren und lachende Hundegesichter um mich – so stellte ich mir das Leben als Hundetrainerin vor, als ich beschloss, mich beruflich umzuorientieren. Freiheit, Selbstbestimmtheit und ganz nebenbei den angeborenen Helferkomplex ausleben zu können, das waren meine Hauptmotivationen, mit Tieren arbeiten zu wollen.

Und diese Punkte sind es auch, die mir tagtäglich zeigen, dass ich meinen Job richtig gewählt habe. Auch wenn ich damals durchaus eigentlich vor der Arbeit mit Menschen fliehen wollte. Deshalb war für mich auch kurzfristig eine sehr große Herausforderung, dass Hundetraining vorrangig Schulung des Menschen ist. Bedeutet: Viel Kommunikation, viel Empathie, viel schwieriger als einem Hund „Sitz“ beizubringen. Aber wie es sich für einen echten Barney Stinson-Fan gehört, gab es für mich nur eine Lösung: Challenge accepted!

Die ersten Erfahrungen als Hundetrainerin

Um einen Gewerbeschein für Hundetraining zu lösen, braucht man in Österreich nach wie vor keinerlei Befähigungsnachweis. Das bedeutet, dass jeder Werbemittelverteiler morgen sein Feibra-Schürzerl an den Nagel hängen und fortan als Hundetrainer tätig sein könnte. Mir war wichtig, trotzdem zuerst einen Qualifikationsnachweis zu erbringen, in dem ich eine Ausbildung und ein umfassendes Praktikum absolvierte. Wenn ich allerdings an meine ersten Einzeltrainings zurückdenke, sehe ich, wie unsicher ich damals eigentlich noch war – obwohl ich natürlich Gott und die Welt wissen ließ, dass ich jetzt Hundepsychologin war. Immerhin war ich ja auch sehr stolz auf diesen mutigen Schritt in einen unkonventionelle Selbstständigkeit und meinte, alles zu wissen und zu verstehen. Dieses Wissen wollte ich gerne teilen und so sprudelte es nur so aus mir hervor. Damals war ich sicher enthusiastischer, während ich heute pragmatischer bin. Gleichzeitig war ich damals sicher reservierter, traute mich nicht, meiner ehrlichen Freude über tolle Fortschritte so lebhaft Ausdruck zu verleihen, wie ich es jetzt oft zulasse.

Ausbildungsdefizite?

Was mir während meiner ersten Erfahrungen als Hundetrainerin rasch bewusst wurde, war, dass ich Defizite hatte – Punkte, die während der theoretischen und praktischen Ausbildung zwar bearbeitet wurden, sich aber letztendlich erst in der wirklichen Praxis ergaben. Während ich ursprünglich ja „Problemhundetrainerin“ werden wollte und deshalb meinen Praktikumsschwerpunkt auf die Arbeit mit schwierigen Hunden gelegt hatte, merkte ich – unter anderem durch das Zusammenleben mit einer angstaggressiven unsicheren Tierschutzhündin – dass ich hier noch einiges mehr zu lernen hatte. Am Anfang denkt man noch, man hat irgendwann ausgelernt und ist enttäuscht, dass man etwas noch nicht wusste. Inzwischen freue ich mich über jeden Hund und jeden Menschen, der mir etwas Neues beibringt – und es passiert nach wie vor täglich. Ständige Weiterbildung ist unerlässlich. Modernes Hundetraining entwickelt sich nahezu täglich weiter: wir erlangen neue wissenschaftliche Erkenntnisse durch verschiedenste Studien, KollegInnen aus verschiedensten Nationen haben tolle Ansätze zur Lösung unterschiedlichster Probleme. Inzwischen stelle ich mich unter anderem in der Zusammenarbeit mit dem Projekt “A G’spia für’s Tier” der Volkshilfe Wien schwierigsten Fällen und freue mich über die Gelegenheit selbst mit suboptimalen Ausgangslagen in Teamarbeit binnen kurzer Zeit tolle Erfolge zu erzielen. Das Selbstbewusstsein dafür beziehe ich genau daraus, dass ich stets reflektiere und auf Weiterentwicklung bedacht bin. Von Jahr zu Jahr, da geht immer noch was, zu dem ich pushen kann: Ich kann noch schneller! Ich kann noch effizienter! Ich kann noch ethischer!

Die Szene

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Squirrel!

Schon während meiner ersten Erfahrungen als Hundetrainerin fand ich den Austausch mit KollegInnen essentiell. Dieser ist vor allem in der Hundeszene nicht immer einfach, weil sich hier Gemüter rasch erhitzen und der Futterneid leider teilweise groß ist. Tatsächlich war ich vor allem in meinen Anfängen oft enttäuscht vom Umgang miteinander. Da ich mit meinem Digga als unwissende Halterin vor Beginn meiner Ausbildungen doch einige Fehler gemacht hatte, war es mir wichtig, alles zu hinterfragen. Nichts mehr zu akzeptieren, nur weil es sich schlüssig anhörte und zu funktionieren schien. Bis heute habe ich mir dieses Hinterfragen beibehalten und praktiziere es auch während meinen Trainings laufend. Mir war wichtig, mir eine eigene Meinung zu bilden – zu jedem Ansatz. Mir auch bekennend aversiv arbeitende TrainerInnen anzusehen und ihnen zu zuhören, weil man auch von ihnen viel lernen kann. Über souveränes Auftreten und klare Ansagen. Über Manipulationen, die ich nicht praktizieren möchte und was sie mit Mensch und Hund machen. Über wie KlientInnen genau wie ich in solche „Fallen“ tappen können. Über die Verzweiflung, die Leute dazu bringt, nur mehr schnell eine Lösung zu wollen. Darüber, warum ein ethisches Vorgehen in jeder Hinsicht das A und O für mich sein muss.

Das schönste Erlebnis – und die Fortbildung, die mich zu der Trainerin machte, die ich heute bin – hatte ich auf einem Animal Training Workshop, an dem TiertrainerInnen aus verschiedensten Nationen teilnahmen. Hier waren Austausch und Kooperation ganz anders als in der Hundeszene – es ging um das Tier, sein Wohlbefinden und sein fehlerfreies Lernen, nicht um uns und unsere Egos. So wollte ich arbeiten! Und so lernte ich, dass Kooperation unter „KonkurrentInnen“ nicht nur möglich, sondern erfrischend und bereichernd ist. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf die KonkurrentInnen, sondern auf unseren eigenen Mindset an. Wenn wir offen aufeinander zu und miteinander umgehen, sind sogar unglaubliche und grenzübergreifende Projekte wie die „Tausche TV-Trainer-Ticket gegen Training“-Aktion möglich. Während meine ersten Erfahrungen als Hundetrainerin in der Szene sich für mich wie ein ermüdendes Tauziehen anfühlten, habe ich inzwischen in verschiedenen Netzwerken KollegInnen gefunden, mit denen ich an einem Strang ziehen kann – nicht mehr gegen etwas, sondern für etwas.

Mentoring & Supervision

Die letzte und wichtigste Lektion, die ich mir aus meinen ersten Erfahrungen als Hundetrainerin mitnahm, war, wie wichtig Mentoring und Supervision sind. Jemanden zu haben, der sich in der Profession und in der Szene auskennt und einem Input gibt – wie verschiedene Ansätze entstanden sind, wann man einem bestimmten den Vorzug über einem anderen geben sollte, welche Fortbildungen und Netzwerke sinnvoll sind, wie man mit bestimmten KollegInnen oder KonkurrentInnen umgehen sollte. Hier bin ich vor allem Dr. Barbara Schöning und Mag. Iris Schöberl zu großem Dank verpflichtet, weil sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen stets überaus großzügig mit mir teilten. Heute sehe ich es nicht mehr als Schwäche an, von einem Fall emotional oder professionell herausgefordert zu werden. Wir sind als HundetrainerInnen in einem Beruf tätig, der ein großes Maß an Empathie erfordert. Emotionalen Ballast gelegentlich abzuladen ist unerlässlich, wie uns am Selbstmord der Koryphäe Dr. Sophia Yin vor fast zwei Jahren unschön vor Augen geführt wurde. Auch wenn wir mit Sonne und Wind im Gesicht von glücklichen Hundegesichtern umgeben unsere Arbeit verrichten, sind wir nicht davor gefeit, uns die härteren Fälle zu Herzen zu nehmen. Je härter der Fall, desto wichtiger sind der professionelle Austausch, das Betreiben von Psychohygiene und das Erarbeiten von Abgrenzungsmöglichkeiten.

Fazit

Meine ersten Erfahrungen als Hundetrainerin waren zwar gelegentlich ernüchternd, letztendlich aber kollektiv gut – sonst wäre ich wahrscheinlich nicht bei dieser Profession geblieben und immer noch mit so viel Leidenschaft dabei. *lach* Was ich gelernt habe ist, dass die eigene Einstellung immer einen Unterschied macht. Und dass man Berge versetzen kann, wenn man zulässt, dass moderne Trainingsansätze sein Leben verändern. Ach, ich liebe diesen Job!

Herzliches Dankeschön an Ziemer & Falke für ihre Blogparade zum Thema „Meine ersten Erfahrungen als Hundetrainerin“ – es hat mir großen Spaß gemacht, dies als Anlass zu nehmen, meine Eindrücke Revue passieren zu lassen.